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4.2 Die Anfänge einer zielgerichteten gärtnerischen Ausbildung

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1826

In diesem Jahr erfolgte ein Zusammenschluss von botanisch interessierten Personen zu einer wissenschaftlichen Vereinigung. Die Dresdner Gartenbaugesellschaft "Flora" wurde gegründet, sie bildete in den nächsten Jahrzehnten den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mittelpunkt des sächsischen Gartenbaus.

1856

Die theoretische und praktische Ausbildung zum Gärtner erfolgte nur in den gärtnerischen Betrieben. Da dies immer weniger zu frieden stellend war, wurde auf Beschluss des Landwirtschaftlichen Kreisvereins zu Dresden die 1. Gärtnerlehranstalt gegründet. Der Unterricht begann in Dresden in der Friedrichstraße 26 am 1. Oktober 1856.

Mit diesem Datum 01.10.1856 kann man den Beginn der zielgerichteten schulischen Gartenbauausbildung in Dresden verbinden. So können wir im Oktober 2006 das 150jährige Jubiläum der gärtnerischen Ausbildung in Dresden begehen.

Lehrer der Gärtnerlehranstalt waren der Vorsitzende des Kreisvereins und drei weitere Mitglieder. Es sollten vor allem Kenntnisse im Obst - und Gemüsebau vermittelt werden, um den fühlbaren Mangel an brauchbaren Gärtnern und Obstbaumwärtern abzuhelfen. Ein Hauptziel bestand darin, dass die Lehrlinge und Gehilfen später als Gutsgärtner auf das Land gehen sollten.

Die ausgebildeten Gärtner suchten sich jedoch vorrangig Arbeit in Gartenbaubetrieben der Stadt Dresden oder anderer Städte. Das entsprach nicht der Zielstellung des Kreisvereins Dresden und deshalb wurde die Lehranstalt 1873 aufgelöst. Gleichzeitig wurde der Antrag zur Übernahme der Gartenbauschule durch das Ministerium des Inneren und ihre Fortführung als staatliche Anstalt gestellt.

1874

Nun wollte die wissenschaftliche Vereinigung des Gartenbaus "Flora" eine eigene Gartenbauschule in Dresden etablieren. Sie beantragte beim Ministerium des Innern 200 Taler, damit die Fortbildungsschule für Gärtnergehilfen und - lehrlinge wieder ins Leben gerufen werden könne und stellte selbst einen Beitrag für diesen Zweck in Aussicht. Das Ministerium des Innern bewilligte daraufhin 130 Taler unter der Bedingung, dass die "Flora" im Einvernehmen mit dem Kreisverein den Unterricht überwache und über die Beihilfe abrechne.

Am 1. November 1874 erließ daraufhin die "Flora" folgende Bekanntmachung, die durch Rundschreiben ihren Mitgliedern sowie der Feronia und Hortulania und auch öffentlich im Dresdner Anzeiger und in den Dresdner Nachrichten bekannt gegeben wurde:

Bereits am 9. November 1874 begann mit 51 Schülern der Unterricht nach folgendem Stundenplan:

Montag: Arithmetik; Flächen - und Körperberechnungen
Dienstag: Obstbaumzucht
Mittwoch: Planzeichnen; Geometrie
Donnerstag: Physik; Chemie
Freitag: Botanik
Sonnabend: Zoologie

Das Schulgeld betrug für einen Unterrichtsabend in der Woche für eine Person monatlich 5 Neugroschen, für jeden weiteren monatlich 2,5 Neugroschen Mehrzahlung. Die weitere Finanzierung erfolgte einmal durch das Ministerium des Innern, das bis 1883 als Beihilfe jährlich 500 oder 600 Mark, ab 1890 ein Zuschuss aus Staatsmitteln in verschiedener Höhe überwies. Zum anderen scheute die "Flora" keine Kosten und bewilligte z.B. Anfang der 90iger Jahre des 19. Jahrhunderts Feldmessinstrumente für 200 Mark und ein Mikroskop für 380 Mark.

Die ersten Lehrer an der "Flora" - Schule waren Oberlehrer Hartmann für Deutsch und Rechnen, Obergärtner Kohl für Botanik, Garten - Ingenieur Max Bertram für Geometrie und Planzeichnen und Gärtnereibesitzer Krüger (der schon an der Kreisvereinsschule tätig war) für Pomologie. Für die Schule wurde das Arnoldische Obstkabinett (138 Apfel -, 139 Birnen -,75 Kirschen -, 98 Pflaumensorten), die Bücherei und andere Lehrmittel vom Kreisverein leihweise zur Verfügung gestellt.

1875

Nachdem noch ein Jahr in der Friedrichstr. 26 unterrichtet wurde, wurde ab 1875 der Unterricht im "Flora" - Gebäude in der Brückenstr. 6 erteilt.

1881

Ab dem Jahr 1881 stellte die Stadt Dresden der Schule Zimmer für den Unterricht in der 1. Bürgerschule in der Johannesstr. zur Verfügung.

1887

Die "Flora" - Schule hatte in diesem Jahr 114 Schüler.

1912

Es erfolgte die Verlegung der Schule in das Gebäude der III. Städtischen Berufsschule in die Kleine Plauensche Gasse 12 b.

1918

Nach dem 1. Weltkrieg übernahm das Landeskulturamt Sachsen verstärkt Verantwortung für die Gärtnerausbildung, insbesondere für die Abnahme der entsprechenden Prüfungen. Der Prüfungsausschuss bestand zu dieser Zeit aus bewährten Gärtnern:

  • Heinrich Seidel als Obmann
  • Walther Dähnhardt als Geschäftsführer
  • Kurt Goldschmidt als Beisitzer
  • August Schlechte als Beisitzer
  • Theodor Simmgen als Beisitzer
1920

Der Beruf Gärtner war ein ausgesprochener männlicher Beruf. Umso interessanter ist der Bericht von Elisabeth Martin:
"Ich hatte mir vorgenommen den Gärtnerberuf zu ergreifen, da ich aus einer alten Gärtnerfamilie stamme. Ich kam 1917 aus der Schule. Es bedurfte einer Sondergenehmigung, die mein Vetter Johannes Martin bewirkte als er 1918 im Herbst aus dem Felde kam. Es wurde mir die Zeit von 1917 bis 1920 als Lehrzeit anerkannt, da ich in seinem Betrieb die Lehrzeit absolvierte. Ich musste mir die Theorie selbst erarbeiten und wurde als erstes Mädchen, die den Gärtnerberuf erlernte, zur Prüfung zugelassen. 21 Jungen und ich als einziges Mädchen absolvierten die Prüfung in der Stadtgärtnerei im Großen Garten am 22. März 1920. Als einzige erhielt ich die Note "Sehr gut (I b)" sowohl in der praktischen als auch in der theoretischen Prüfung und es wurde mir das Zeugnis als geprüfte Gärtnergehilfin vom Landeskulturamt überreicht."

1922

Nachdem fast 50 Jahre die Gesellschaft für Botanik und Gartenbau "Flora" die Geschicke der Schule leitete, sah sie sich nun gezwungen an die Stadt mit der Bitte heranzutreten, die Schule zu übernehmen. Die Verhandlungen dazu führten Stadtgartendirektor von Uslar, Ökonomierat Simmgen und Walther Dähnhardt.

Die Stadt Dresden übernahm mit dem 1. Oktober 1922 die gärtnerische Ausbildung. Sie wurde als selbständige Abteilung in die III. Städtische Berufsschule integriert. Der Stundenplan des Ausbildungsjahres 1922/23 wurde noch von der "Flora" gestaltet:

Pillnitzer Schule:
Der Übernahme der "normalen" gärtnerischen Ausbildung durch die Stadt Dresden gingen Forderungen voraus, dass eine gartenbauliche Forschung und Lehre auf höherem Niveau (z. B. Meisterausbildung) in Sachsen stattfinden sollte. So wurde bereits 1888 eine Denkschrift zur Gründung einer höheren Gartenbauschule in Dresden veröffentlicht. Man gründete nun endlich 1922 auch die "Höhere Staatslehranstalt für Gartenbau" in Dresden - Pillnitz.

Daraus entstand 1939 die "Versuchs - und Forschungsanstalt für Gartenbau und höhere Gartenbauschule".

1942 wurde die Schule infolge des Krieges geschlossen.

1946 fand die Wiederaufnahme der Lehrtätigkeit statt.

1963 wurde die "Fachschule für Landwirtschaft und Gartenbau" in Pillnitz aufgelöst, weil in den Gebäuden ein "Institut für Landwirtschaft der SED" eingerichtet wurde. Es wurde dafür die "Fachschule für Gartenbau Dresden, Sitz Bannewitz" im Schloss Nöthnitz gebildet.

Nach 1990 wurde wieder eine Fachschule für Technik und Gartenbau unter Leitung des Schulleiters Dr. Wolf - Dietmar Wackwitz und des Stellv. Schulleiters Dr. Bernd Stelzer in Pillnitz etabliert.

Nach dem Sächsischen Schulgesetz ist die Fachschule eine der fünf Schularten im Beruflichen Schulwesen. Im Bereich der Agrarwirtschaft existiert eine Besonderheit, dass eine Fachschule dem Fachministerium (also dem Umwelt - und Landwirtschaftsministerium) unterstellt ist. Ansonsten unterstehen alle Schularten dem Kultusministerium.

Wir arbeiten insofern mit der Pillnitzer Schule zusammen, dass viele unserer Absolventen nach erfolgreichem Berufsabschluss und angemessener Berufserfahrung eine Ausbildung als Techniker und Wirtschafter des Gartenbaues bzw. als Meister in Pillnitz absolvieren.

Die Geschichte der Pillnitzer Schule wird durch den sehr rührigen Pillnitzer Ehemaligenverband bearbeitet und ihr könnt unter dresden-pillnitzer.de interessante Details erfahren.

Coswiger Gärtnerausbildung:
Es sei an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, dass bereits 1915 in der Gewerbe -, Handels - und Gärtnerschule in Coswig auf der Karrasstr. 3 eine kaufmännische Ausbildung mit gärtnerischem Ergänzungsunterricht und später eine schulische Ausbildung im Beruf Gärtner stattfand, zumal der Autor auf diesen Sachverhalt noch einmal zurück kommen wird.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, dem 12. September 2009 um 01:00 Uhr